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Geschichte der Buddhismuskunde an der Universität Hamburg

Die Anfänge - Buddhismuskunde als ein Schwerpunkt des Hamburger indologischen Seminars

Die Buddhismuskunde – verstanden als eine Wissenschaft, die sich umfassend mit den buddhistischen Traditionen und deren Ethik und Philosophien befasst – wurde erst spät eine eigenständige universitäre Disziplin in Hamburg. Ein Wegbereiter hierbei war die Errichtung eines Lehrstuhls für Kultur und Geschichte Indiens zum Wintersemester 1914/15. Der Arbeitsbereich selbst etablierte sich allerdings erst unter dem Buddhismusforscher Frank-Richard Hamm (1954-1964) und endgültig nach Einrichtung eines zweiten Lehrstuhls in Indologie mit Schwerpunkt Buddhismuskunde, auf den der aus der Göttinger Schule stammende Franz Bernhard im Juni 1966 berufen wurde. Damit war der Grundstein zu einer in Deutschland bis heute wohl einzigartigen Möglichkeit des Studiums und der Erforschung des Buddhismus gelegt.

„Hamburger Schule“ der Buddhismuskunde

Nach dem frühen Ableben Franz Bernhards im September 1971 hat vor allem dessen Nachfolger, Lambert Schmithausen, die Hamburger Buddhismuskunde von 1973 bis 2005 geprägt und sie mit seinen grundlegenden Werken zur Yogacara-Forschung und zur Ideengeschichte und den spirituellen Praktiken des frühen Buddhismus, wie auch zur buddhistischen Natur- und Tierethik zu internationaler Anerkennung geführt. Viele führende Positionen in universitären Einrichtungen weltweit wurden oder werden heute von Absolventen dieser „Hamburger Schule“ besetzt, darunter UC Berkeley, Harvard University, Koyasan University (nahe Osaka),  Stanford University, International College for Advanced Buddhist Studies (Tokyo).

Buddhismuskunde als Schwerpunkt der Tibetologie

Naturgemäß besteht eine enge Beziehung zwischen  Buddhismuskunde und Tibetologie. So nahm in den zurückliegenden Jahrzehnten die Erforschung der buddhistischen Schulen und deren Ideengeschichte auch in der Tibetologie eine zentrale Stellung ein: zunächst durch David Seyfort Ruegg (Schwerpunkt: Traditionen des indo-tibetischen Buddhismus; Madhyamaka; Herbst 1983 bis 1990) und anschließend durch David Jackson (Schwerpunkt: Sa-skya Panditas Auslegung der indischen und tibetischen Tradition der Logik und Erkenntnistheorie; Erforschung der tibeto-buddhistischen Schulgeschichte; tibetische Malerei; 1992–2007).

Heute wird die Buddhismuskunde in den Disziplinen Indologie und Tibetologie in einem breiten Spektrum durch drei Professoren vertreten: Michael Zimmermann (Professur für indischen Buddhismus), Dorji Wangchuk (Tibetologie mit Schwerpunkt Buddhismus) und Harunaga Isaacson (indischer Tantrismus, Manuskriptkunde).

Die Beschäftigung mit dem  Buddhismus in weiteren Fachdisziplinen der Universität

Die Universität Hamburg ist der einzige Ort im norddeutschen Raum, an dem sich Wissenschaftler aus den verschiedenen asiatischen Regionen intensiv mit dem Buddhismus befassen.

So hat die Beschäftigung der Japanologie mit dem Buddhismus an der Universität Hamburg eine Tradition, die bis in das Jahr 1936 zurückreicht, seit Wilhelm Gundert auf den Lehrstuhl berufen wurde. Sowohl Gundert, dessen Interesse dem Chan-/Zen-Buddhismus galt, als auch sein direkter Schüler Oscar Benl haben zur Buddhismuskundeforschung an der Universität beigetragen. In der Folge hat sich auch Roland Schneider mit dem Buddhismus befasst, vor allem in Form von literarischen Kunstformen des Mittelalters, die stark vom Buddhismus beeinflusst waren. Aktuell setzt Jörg B. Quenzer diese kultur- und geistesgeschichtliche Tradition fort, u.a. mit Untersuchungen zu biographischen Materialien wie Traumaufzeichnungen und zur Rolle der (literarischen) Sprache in der Vermittlung buddhistischer Inhalte.

Auch die Iranistik hatte sich seit der Berufung des Zentralasien-Spezialisten und Tibetisch-Kenners Ronald Eric Emmerick (1971-2001) mit dem Buddhismus beschäftigt. Sein Interesse galt der vom Buddhismus beeinflussten khotanischen Kultur und der Rolle Khotans in der Überlieferung buddhistischer Texte.

Der geographische Fokus der Buddhismuskunde wurde ferner durch die Berufung des Sinologen Michael Friedrich erweitert, der sich mit Fragen der frühen Rezeption des Buddhismus in China befasst. Sein Interesse gilt auch der längerfristigen Wirkung des Buddhismus auf die chinesische Philosophie sowie der Darstellung des chinesischen Buddhismus in der konfuzianischen und der modernen Geschichtsschreibung.

Durch die Forschung des Thaiisten und Ethnologen Barend Jan Terwiel (1992-2007) auf dem Gebiet des thailändischen Buddhismus hat sich die Perspektive der Hamburger Buddhismuskunde abermals erweitert.

Absolventen der Hamburger Buddhismuskunde

Seit 1978 kamen 35 Dissertationen und 8 Habilitationen im Bereich der Buddhismuskunde zustande. In den gleichen Zeitraum fallen 51 Magisterarbeiten, davon 12 aus der Fachdisziplin Sinologie, die auch 3 Dissertationen hervorbrachte. Neben der Thaiistik mit 2 Dissertationen, fallen auf die Japanologie 4 Magisterarbeiten, 1 Dissertation sowie 1 Habilitation. Allein in der Indologie und Tibetologie, zu einem bedeutenden Teil unter der Anleitung von Lambert Schmithausen, entstanden 29 Dissertationen und 7 Habilitationen. (Stand: April 2009)  Link

Numata-Professur für Buddhismuskunde

In Würdigung der unter Lambert Schmithausen zu international höchster Anerkennung gelangten Hamburger Buddhismuskunde, richtete die japanische Bukkyo Dendo Kyokai, eine Stiftung zur Förderung buddhistischer und buddhismuskundlicher Aktivitäten, im Jahre 1999 an der Universität Hamburg eine Numata-Stiftungsprofessur für Buddhismuskunde ein. Sie ermöglicht es, halb- bzw. jährlich wechselnde Buddhismuskunde-Experten aus aller Welt nach Hamburg an das Asien-Afrika-Institut einzuladen, um in Lehre und Forschung mitzuwirken:

  • Dr. Dan Martin, Jerusalem - 2000/2001
  • Prof. Noritoshi Aramaki, Otani University, Kyoto - 2001
  • Prof. Florin Deleanu, International College for Advanced Buddhist Studies, Tokyo - 2001/2002
  • Prof. Dr. Klaus Vollmer, Ludwig-Maximilians-Universität, München - 2002
  • Prof. Dr. Pol Vanden Broucke, Universität Gent - 2003
  • Prof. Dr. Shoryu Katsura, Hiroshima University, Hiroshima - 2003
  • Juniorprofessor Dr. Jörg Plassen, Universität Bochum - 2002/2003
  • Prof. Dr. Katsumi Mimaki, Kyoto University, Kyoto - 2004
  • Dr. Siglinde Dietz, Universität Göttingen - 2005
  • Prof. Dr. Robert Buswell, University of California (UCLA) - 2006
  • Dr. Mudagamuwe Maithrimurthi - 2006
  • Prof. Dr. Francesco Sferra, Universita degli Studi di Napoli L'Orientale - 2007
  • Prof. Dr. Jacob Dalton, Yale University, New Haven, United States - 2008
  • Dr. Louis Gabaude, EFEO de Chiang Mai, Thailand - 2008/2009

Die Gründung des Zentrums für Buddhismuskunde

Aufgrund der Vielzahl von Fachdisziplinen (Indologie, Tibetologie, Japanologie, Sinologie, Thaiistik, Koreanistik, Religionswissenschaften und Ethnologie), in denen sich einzelne Wissenschaftler und Forschergruppen (z.B. Manuskriptkulturen in Asien und Afrika) mit dem Buddhismus befassen, war es nur folgerichtig, dass im Herbst 2007 für die Hamburger Buddhismuskunde ein Zentrum an der Universität gegründet wurde. Seitdem hat sich die Perspektive der Buddhismuskunde an der Universität Hamburg  sichtbar erweitert und steht nun im Kontext der süd-, südost-, zentral- und ostasiatischen Kulturregionen.